Zuletzt bearbeitet: 21.10.2010
  Atypische Weidemyopathie     Infektiöse Anämie                 Equines Cushing-Syndrom

Pergolid darf jetzt nicht

mehr verschríeben werden

(16-10-10) - Das Cushing-Syndrom bei Pferden (ECS) wurde durch eine Vielzahl an wissenschaftlichen Abhandlungen und dadurch neu gewonnenen Erkenntnissen in den letzten Jahren immer häufiger diagnostiziert. Es ist nicht heilbar. Allerdings hat man festgestellt, dass durch die Behandlung mit Pergolid in niedriger Dosierung, einem Arzneistoff, der zur Therapie der Parkinson-Krankheit eingesetzt wird, die meisten Pferde noch jahrelang halbwegs beschwerdefrei leben können.
Pergolid wurde bisher von den Pferdehaltern relativ preisgünstig aus den Niederlanden bezogen. Dieser Handelsweg, bei dem immer gültige Rezepte verlangt wurden) ist jetzt durch die Androhung von Millionen-Prozessen gestoppt worden. Ein deutsches Pharma-Unternehmen hat ein Veterinär-Medikament auf den Markt gebracht, das durch die Tierärzte verschrieben werden soll. Kein deutscher Tierarzt darf also noch Pergolid-Rezepte aufüllen. Das deutsche Medikament ist allerdings erheblich teurer.

Das Cushing Syndrom stellt die einzige häufig auftretende und bedeutsame Endokrinopathie (Drüsen-Erkrankung mit Störung der Hormonproduktion) beim Pony und Großpferd ab einem Alter von ca. 12 Jahren dar. Der Hormonhaushalt gerät durch bestimmte körperliche Veränderungen aus dem Gleichgewicht. Eine Vielzahl an körperlichen Symptomen entwickelt sich, die in ihrer Gesamtheit lebensbedrohlich sind und unbehandelt zum Tod des Pferdes führen.
Beim Pferd ist wie beim Menschen die Nebennierenrinde für die Produktion des Hormons Cortisol verantwortlich. Durch eine Geschwulst am Hypophysenvorderlappen, der die Produktion von Cortisol in der Nebennierenrinde steuert, kann es zu einer erhöhten Cortisolproduktion kommen. Da sich ein gestörter Cortisolhaushalt in erster Linie auf den Stoffwechsel, das Herz-Kreislauf-System und das Immunsystem des Pferdes auswirkt, können sich daraus viele unterschiedliche Krankheitsbilder entwickeln, die zu einer ernsten Gefahr für das Leben des Pferdes werden.
Es liegt die Vermutung nahe, dass es sich beim ECS um eine Wohlstandskrankheit handelt, die großenteils übergewichtige, unterbeschäftigte Pferde im vorgerückteren Alter befällt. Nicht immer einfach ist die Abgrenzung zum Equinen Metabolischen Syndrom (EMS), einer Stoffwechselkrankheit zu dicker Pferde. ECS und EMS ähneln sich hinsichtlich der Symptomatik, während das EMS häufiger jüngere Pferde befällt, handelt es sich etwa ab dem Alter von 15 Jahren eher um ein ECS.
Symptome des Cushing-Syndroms bei Pferden
  • Dickes, langes Winter- und Sommerfell mit gestörtem Fellwechsel - oft Löckchenbildung, langer, wuscheliger Kötenbehang
  • Trotz hoher Futtergaben und guter Futteraufnahme magert das Pferd ab
  • Die Muskeln bilden sich zurück (Hängerücken)
  • Es entstehen Fettpolster am Bauch und entlang des Mähnenkamms
  • Das Pferd entwickelt ein starkes Durstgefühl und lässt überdurchschnittlich oft Urin
  • Herz-Kreislaufprobleme mit Gleichgewichtsschwankungen bis hin zum gelegentlichen Umfallen
  • Häufige und hartnäckige Infekte, nicht behandelbare Durchfälle/Kotwasser
  • Lethargie des Pferdes
  • Mauke und Pilzbefall
  • Hufabzesse, Huflederhautentzündung, Hufrehe mit untypischem Erscheinungsbild und auch zu ganz untypischen Jahreszeiten. Diese Rehe kann zur Hufbeinrotation oder -senkung führen, ist aber möglicherweise für das Pferd zeitweise fast schmerzfrei.
  • Schlechtes Kauen, Heu kann oft nicht mehr zerkleinert werden
  • Ödeme über den Augen
  • Im Stehen lassen betroffene Pferde oft den Kopf hängen

  • Da beim Cushing-Syndrom nicht alle oben aufgelisteten Symptome auftreten müssen oder sich einzelne Symptome nur sehr schwach zeigen, kann es für den Tierarzt zunächst sehr schwierig sein, direkt von der Symptomatik auf das Cushing-Syndrom zu schließen. Mit Hilfe eines Bluttests kann jedoch recht zuverlässig der erhöhte Hormonspiegel festgestellt werden.

    Equine infektiöse Anämie im Ostallgäu

    (19-10-10) Nach Bestätigung durch das nationale Referenzlabor gibt es einen Fall des Ausbruchs der sogenannten ansteckenden Blutarmut bei einem Pferd im Landkreis Ostallgäu. Betroffen ist ein Pferd aus einem Betrieb in Gennachhausen, Gemeinde Stöttwang, bei dem die auf sogenannte Equiden (also Pferde, Esel, Maultiere, Maulesel, u.ä.) übertragbare Krankheit, die auch als (EIA) bezeichnet wird, nachgewiesen wurde. Menschen sind durch EIA nicht in Gefahr.
    Die Krankheit tritt akut oder chronisch unter anderem mit Fieberschüben auf und kann nach unterschiedlich langem Verlauf tödlich enden. Infizierte Pferde zeigen aber nicht immer Krankheitssymptome. Sie bleiben jedoch lebenslang Virusträger und können somit andere Pferde anstecken. Daher müssen infizierte Einhufer eingeschläfert werden. Die Übertragung erfolgt in erster Linie durch blutsaugende Insekten. Eine Infektion über eine große räumliche Distanz kommt in der Regel nicht vor. In seltenen Fällen können sich Pferde bei sehr engem Kontakt untereinander anstecken.
    Die Krankheit tritt in Nord- und Mitteleuropa sehr selten auf, kommt aber in Osteuropa, insbesondere in Rumänien, häufiger vor. Seit Herbst 2009 wurden auch in Bayern einige Fälle nachgewiesen, zuletzt im Landkreis Landsberg, im Ortsteil Seestall, Gemeinde Fuchstal. Erste epidemiologische Ermittlungen des Veterinäramts Ostallgäu haben ergeben, dass das erkrankte Tier Anfang diesen Jahres aus einem Bestand in Seestall nach Gennachhausen gelangt ist.
    Nähere Informationen zu der ansteckenden Blutarmut der Einhufer und den Maßnahmen im Sperrbezirk finden Sie auf der Homepage des Landkreises Ostallgäu (www.ostallgaeu.de) und auf der Homepage des Friedrich-Löffler-Instituts (www.fli.bund.de).

    Warnung vor infektiöser Anämie

    (28-8-06) In Irland und Italien sind Fälle von infektiöser Anämie aufgetreten. Um den Pferdebestand in Deutschland vor einem möglichen Ausbruch der Seuche zu schützen, hat der Vorstand des Galopper-Direktoriums in seiner Sitzung vom 9. August 2006 folgende Bestimmungen und Empfehlungen in Anlehnung an Richtlinien aus England und Frankreich erlassen:

    1. Bestimmungen für Rennpferde

    Für in Irland und Italien trainierte Rennpferde, die an Rennen in Deutschland teilnehmen, muß eine Gesundheitsbescheinigung nach internationalem Muster sowie ein negativer Coggins-Test, der nicht älter als 14 Tage vor dem Start sein darf, vorgelegt werden.
    Für Rennpferde, die in Deutschland trainiert werden, und in Irland oder Italien an den Start gehen, muß spätestens 48 Stunden nach jeder Rückkehr dem Direktorium vom Trainer oder Beauftragten ein spezielles Formular übermittelt werden. Auf diesem Formular sind die Reisedaten des Pferdes anzugeben, außerdem muß eine Blutuntersuchung innerhalb von 30-90 Tagen nach der Rückkehr vorgenommen werden und das negative Ergebnis dieses Coggins-Tests dem Direktorium innerhalb dieser Frist (spätestens nach 90 Tagen) mitgeteilt werden.
    Sollte das negative Ergebnis des Coggins-Tests nicht fristgerecht beim Direktorium eintreffen, werden für das Pferd keine weiteren Nennungen angenommen und ein Ausschluß vom Rennbetrieb verhängt.
    Das Formular kann beim Direktorium angefordert werden und steht auf der Internet-Seite www.galopp-sport.de zum download bereit.

    2. Empfehlungen für Zuchtpferde, Jährlinge, Absetzer und zu importierende Pferde

    Das Direktorium empfiehlt dringend, bei Einfuhren von Pferden (Jährlinge, Absetzer, Mutterstuten und Rennpferde) aus Irland und Italien und vor der Rückfuhr von vorübergehend nach Irland oder Italien ausgeführten Zuchtstuten darauf zu achten, dass diese Pferde erst dann in die heimatlichen Bestände aufgenommen werden, wenn das Ergebnis eines negativen Coggins-Tests vorliegt.
    Dieser muß vor der Ausreise des Pferdes bereits in Irland oder Italien gemacht worden sein und darf zum Zeitpunkt der Einreise nach Deutschland nicht älter als 14 Tage sein.
    Darüber hinaus ist darauf zu achten, dass für die eingeführten oder zurückkehrenden Pferde eine amtstierärztliche Gesundheitsbescheinigung vorliegt, aus der hervorgeht, dass sie keine klinischen Anzeichen einer infektiösen Erkrankung zeigen und nicht aus einem Betrieb kommen, der einer tierseuchenrechtlichen Sperre unterliegt, und nicht in Kontakt mit Equiden aus einem Betrieb gekommen sind, der aus tierseuchenrechtlichen Gründen gesperrt war.
    Diese wichtigen Bestimmungen und Empfehlungen sind nicht nur zum Schutz des eigenen Pferdebestandes einzuhalten, sondern auch für die Sicherheit des gesamten Zucht- und Rennbetriebes in Deutschland und gelten solange eine akute Infektionsgefahr besteht. Wir werden die Seuchengefahr weiter beobachten und zu gegebener Zeit über neue Entwicklungen berichten.

    Untersuchungsinstitute für den Coggins-Test:

    Institut für Virologie der TiHo Hannover, Bünteweg 17, 30559 Hannover
    Institut für Med. Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenmedizin der Universität München, Veterinärstr. 13, 80539 München
    Institut für Mikrobiologie und Infektionskrankheiten der Tiere der Universität Gießen, Frankfurter Str. 85-89, 35392 Gießen
    Labor Dr. Böse, Karl-Zeiss-Str. 6, 31177 Harsum

    Wenn Pferde auf der Weide

    plötzlich tot umfallen...

    Atypische Weidemyopathie: In diesem Herbst wieder aktuell
    (Okt. 2009) Zahlreiche Verdachtsfälle von atypischer Weidemyopathie sind in diesem Herbst bereits bei Pferden in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen aufgetreten. Nachdem vor einigen Tagen gleich sechs Pferde über Nacht auf einer Weide im Raum Büren verendeten und man Vergiftungen durch einen Pferde-Killer vermutete, steht inzwischen fest, dass es sich nur um einen der inzwischen täglich neu auftretenden Fälle der speziellen Myopathie handelt, die bisher eher selten beschrieben wurde und in der Literatur erstmals 1976 erwähnt wird.

    In den 80er Jahren waren Fälle in England und Schottland aufgetreten. Die weitaus größte Zahl von an einer Weidemyoglobinurie erkrankten Pferden wurde im Herbst 1995 in Deutschland mit 103 Fällen beschrieben. Seither sind immer wieder sporadisch oder gehäuft auftretende Fälle in Belgien, der Schweiz, Deutschland und anderen europäischen Ländern bekannt geworden.

    Die Ursache dieser Erkrankung gelten immer noch als unklar. Es wird vermutet, dass sich aufgrund spezifischer Klima- und Witterungsbedingungen ein Gift, möglicherweise in Pflanzen, bildet, das bei den Pferden eine akute Muskelerkrankung auslöst und sehr schnell zum Tod führt. Erkrankungsfälle scheinen sich besonders auf feuchten Weiden in Waldnähe oder auch auf mit Laub bedeckten Wiesen bei Temperaturen unter 5 Grad Celsius zu häufen. Betroffen sind Tiere jeden Alters und jeder Rasse, wobei vielfach jüngere, ungearbeitete Tiere in guter körperlicher Verfassung verenden. Die Pferde zeigen im lebenden Zustand plötzliche Steifheit der Muskulatur, Zittern, dunklen oder braunen Harnabsatz sowie Schweißausbruch und eine erhöhte Puls- und Atemfrequenz. Schon in diesem Zustand führt eine Behandlung der Tiere in der Regel nicht mehr zur Gesundung.

    Der Chef des Veterinärdienstes im Kreis Soest, Professor Dr. Wilfried Hopp, hat inzwischen den Pferdehaltern geraten, die Tiere bei den beschriebenen Weide- und Temperaturbedingungen aufzustallen. Andere Experten sehen hauptsächlich Tiere gefährdet, die robust gehalten werden und ohne Beifutter ständig auf den Weiden stehen. Eine Forschungsgruppe der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Lüttich beschäftigt sich mit epidemiologischen und pathophysiologischen Aspekten dieser Erkrankung. Sie sammeln europaweit Angaben von betroffenen Besitzern und Tierärzten.

    Die Veterinäre der Unversität Hannover schreiben: Muskelerkrankungen treten beim Pferd in erster Linie als belastungsinduzierte Myopathien auf und sind unter den Begriffen Kreuzverschlag, Tying up-Syndrom oder dem englischen Begriff des Equine Rhabdomyolysis Syndrome bekannt. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass es sich dabei um verschiedene klinische Manifestationen der gleichen Erkrankung handelt. Die atypische Myoglobinurie der Weidepferde gehört vermutlich ebenfalls zu diesem Krankheitskomplex, tritt im Unterschied zu den vorgenannten Myopathien jedoch nicht belastungsassoziiert auf.

    Weiter heißt es: Die Erkrankung kommt bei Pferden verschiedener Altersgruppen vor, meist aber bei jüngeren Tieren in gutem Allgemeinzustand. Geschlechts- oder rassespezifische Unterschiede kommen nicht vor. Übereinstimmend sind in allen Literaturangaben und auch bei den an unserer Klinik vorgestellten Tieren ausschließlich Weidepferde betroffen, wobei die Erkrankung bei einem oder mehreren Pferden gleichzeitig auftreten kann. Die Weidemyoglobinurie kommt immer nur phasenweise und dann gehäuft in den Herbst- und Wintermonaten vor. Krankheitsbegünstigend wirken kalte Witterungsverhältnisse mit Frostperioden über 1 – 2 Tage...

    Klinische Symptome treten plötzlich in Form eines steifen Ganges auf, ohne dass die Pferde vorher bewegt oder angestrengt gearbeitet worden sind. Diese Symptomatik wird sehr schnell begleitet von einer Myoglobinurie. Die Tiere sind oft apathisch und können auch Koliksymptome zeigen. Bezeichnenderweise ist der Appetit meist erhalten, selbst wenn die Pferde zum Festliegen kommen. Daneben können Muskelzittern und ein schwankender Gang auftreten. Fieber, erhöhte Atem- und Herzfrequenz sind häufig vorkommende Symptome, die aber nicht zwingend vorhanden sind.

    Inzwischen wurde bekannt, dass Tierärzte der Pferdeklinik an der Uni Bern angeblich ein Bakterium als Auslöser des tückischen Muskelleidens fanden. Clostridium sordelli, das praktisch überall im Boden vorkomme, vermehre sich im Inneren des Pferdekörpers sehr schnell und setze ein Toxin frei, welches die Muskeln zerstört, den Urin braun verfärbt und das erkrankte Tier so lange schwächt, bis es nicht mehr aufstehen könne. 90 Prozent der betroffenen Pferde sterbe schließlich, weil ihre Atemmuskulatur versagt. Die Schweizer Wissenschaftler hatten bei Myopathie-Pferden eine im Vergleich zu gesunden Pferden stark erhöhte Anzahl von Antikörpern gegen das Clostridium-sordelli-Toxin belegen können. Die Schweizer arbeiten jetzt mit Hochdruck an einem Impfstoff sowie an Behandlungsmethoden.

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