Zuletzt bearbeitet: 06.06.2010
Dinslaken: Großer Preis der NRZ geht an den 18:10-Favorit

Siegfahrer Schmid strahlt:

Jag Junior war bärenstark

Dinslaken (mspw) - Der von Michael Schmid (43/Oberhausen) gesteuerte 18:10-Favorit Jag Junior triumphierte Sonntag (6-6-10) auf der Trabrennbahn in Dinslaken im mit 30.000 Euro dotierten Großen Preis der NRZ für Vierjährige. Trotz eines ungünstigen Rennverlaufs kam der Hengst, der 2009 schon das Deutsche Traber-St. Leger für sich entschieden hatte, zu einem überlegenen Sieg mit drei Längen vor dem letztjährigen Derby-Fünften Peter Burgerheide mit Robbin Bot (18/Wolvega, NL). Den dritten Platz belegte mit U.S.Lane, gesteuert vom Berliner Benjamin Hagen (38), ein weiterer Außenseiter.

Kurz nach dem Start gab es für mich eine schwierige Situation. Ich musste Jag Junior nach meinem ersten Angriff auf die Spitze zunächst zurücknehmen und ein wenig verschnaufen lassen, analysierte Siegfahrer Schmid. Jag Junior war jedoch so bärenstark, dass er sich davon nicht hat beeindrucken lassen. Der Hengst überlief bei seiner Premiere auf der Dinslakener 800-Meter-Bahn noch die gesamte Konkurrenz.

Durch seinen Sieg schraubte der von Hugo Langeweg (57/Schagerbrug, NL) für den niederländischen Erfolgsrennstall Vibelzee von Ger Visser (51/Deventer) trainierte Jag Junior seine Gewinnsumme auf über 50.000 Euro. Der Hengst war 2009 in Berlin-Mariendorf im Derby-Finale nach seinem Vorlauf-Sieg wegen eines Fehlers disqualifiziert worden, gewann dann im Herbst in Gelsenkirchen das St. Leger, die traditionelle Derby-Revanche. Höhepunkt für Vierjährige in diesem Jahr ist der Große Preis von Deutschland, der am 17. Oktober in Gelsenkirchen ausgetragen und mit mindestens 150.000 Euro dotiert sein wird. Für diese hochkarätige Prüfung mit internationaler Beteiligung ist auch Jag Junior genannt.

In Dinslaken ließ Jag Junior neben Peter Burgerheide und U.S.Lane unter anderem auch die Stutenderby-Siegerin Kataja aus dem Besitz von Marion Jauß (70/Neritz) hinter sich. Rekord-Champion Heinz Wewering (60/Hamburg) steuerte die einzige Stute im Feld, die lange Zeit geführt hatte, auf Rang sechs.

Die erste von zwei mit je 10.000 Euro dotierten Vorbereitungsprüfungen zum Stuten-Pokal (20. Juni in Gelsenkirchen/30.000 Euro) entschied am Bärenkamp die 23:10-Favoritin Gardy Burgerheide mit dem jungen Robbin Bot (18/Wolvega, NL) für sich. Im Kampf um Rang zwei behauptete sich Velten Versace mit Hans Joachim Tipke (53/Heeslingen) vor Victoria Boshoeve mit Reinier Feelders (46/Kevelaer) im Sulky.
Im zweiten Vorbereitungslauf drehte Tipke dann den Spieß um. Mit Velten Brown Sugar gewann er als Trainer und Fahrer zum Totokurs von 55:10 vor der von Robbin Bot gesteuerten Zoesja Kievitshof. Times mit Cees Kamminga (45/Willemsoord, NL) wurde Dritte.

Traben Dinslaken: Eine Derby-Revanche um 30.000 Euro

Stutenkönigin Kataja gegen die Hengste

Dinslaken (mspw) - Das schwache Geschlecht ist Sonntag (6-6-10) auf der Trabrennbahn in Dinslaken im Großen Preis der NRZ (30.000 Euro) eindeutig in der Minderheit. Nur eine Stute stellt sich in der hochkarätig besetzten Vierjährigen-Prüfung über 2.100 Meter den elf männlichen Teilnehmern. Bei der Stute handelt es sich freilich um keine Geringere als Kataja, die Gewinnerin des Stuten-Derbys von 2009. Und die von Rekord-Champion Heinz Wewering (60/Hamburg) für seine Chefin Marion Jauß (70/Neritz) trainierte Kataja hat schon das eine oder andere Mal bewiesen, dass sie auch gegen die starken Hengste und Wallache bestehen kann.

Neben Kataja bietet Marion Jauß noch zwei weitere Starter aus ihrem Besitz in dieser Prüfung auf. Goldhelm Michael Nimczy (24/Willich) steuert den frischen Doppel-Sieger Salut, Wee Catch Diamond kommt mit Ralf Oppoli (43/Recklinghausen) an den Start.
Alle drei Pferde sind sehr gut drauf. Mein Liebling ist Salut, weil ich ihn selbst gezogen habe, sagt Jauß. Ich bin aber überzeugt, dass mit Kataja auch die einzige Stute im Feld eine sehr gute Rolle spielen kann.
Das Rennen am Bärenkamp kommt fast schon einer Derby-Revanche gleich. Nicht weniger als sechs der zwölf angemeldeten Traber waren im Vorjahr im Endlauf um das Blaue Band der Hengste und Wallache dabei. Am besten schnitt damals der von Helmut Biendl (59/Ascha) trainierte und gesteuerte Karaburan ab, der hinter Derby-Sieger Zar As (in Dinslaken nicht dabei) Rang zwei belegte. Mit Zalgado Transs R, der von Cees Kamminga (45/Willemsoord, NL) gesteuert wird, sowie Peter Burgerheide mit Robbin Bot (18/Wolvega, NL) sind auch der Vierte und Fünfte aus dem Derby-Endlauf 2009 am Bärenkamp dabei.

Weitere Derby-Teilnehmer waren der siebtplatzierte Wings of Crown mit Gerrit Gommans (59/Otterlo, NL) sowie Jag Junior mit Michael Schmid (43/Oberhausen) und U.S.Lane mit Benjamin Hagen (38/Berlin). Jag Junior und auch U.S.Lane waren im Derby jeweils nach einem Fehler disqualifiziert worden. Jag Junior gewann jedoch später das St. Leger.
Der Hengst Mister PK aus dem Trainingsquartier von Frank Ostermann (47/Burgwedel) scheiterte 2009 beim Derby zwar als Vorlauf-Vierter knapp am Finaleinzug. Nach Dinslaken kommt er nun allerdings mit einer eindrucksvollen Bilanz. Fünfmal in Folge blieb Mister PK, der Sonntag von Peter Poen (53/Gelsenkirchen) gesteuert wird, zuletzt ungeschlagen. Mister PK ist bestens in Form, steht aber vor einer der schwersten Aufgaben in seiner Karriere, weiß Trainer Ostermann.
Neben dem mit 30.000 Euro dotierten Großen Preis der NRZ stehen in Dinslaken auch zwei Vorbereitungsrennen (je 10.000 Euro/2.100 Meter) zum Stuten-Pokal (20. Juni in Gelsenkirchen) auf dem Programm.

Und Ostermontag wieder Dinslaken!

Nun soll doch wieder in Dinslaken getrabt werden - am Ostermontag (5. April 2010) ab 12 Uhr. Wie der Pressedienst des Niederrheinischen Trabrennverein Dinslaken berichtet, hat der Rat der Stadt Dinslaken am Dienstag, 23. März, in einer nichtöffentlichen Sitzung beschlossen, mit dem neuen Verein ab 1. April 2010 einen Pachtvertrag über Gelände und die zur Durchführung eines regelmäßigen Rennbetriebes notwendigen Gebäude abzuschließen.

Im sportlichen Mittelpunkt der ersten Veranstaltung nach fast drei Monaten soll der traditionelle »KöPi«-Pokal stehen, dessen Ausschreibung aufgrund der fehlenden Renntage im Vorfeld modifiziert wurde. Immerhin geht es in diesem Rennen bereits um Rennpreise im Gesamtwert zwischen 10.800 und 13.600 Euro.
Auch der von den Usern des Internet-Portals www.trabtipp.de gewählte »Traber des Jahres 2009«, Nu Pagadi, soll an diesem Tag geehrt werden.

Ausschlaggebend bei der Ratsentscheidung war wohl die Zusicherung des Pferderenn-Vermarkters Winrace, eventuelle Verluste des neuen Trabrennvereins zwei Jahre lang auszugleichen. Das scheint der Stadt besser als die drohenden Kosten, die auf die Verwaltung zukämen, müsste sie die Trabrennbahn und die dazu gehörenden Gebäude vor Vandalismus und Verfall schützen, folgerte die lokale Presse.

Die zuständigen NRW-Ministerien sollen laut Rennvereins-Vorsitzendem Theo Lettgen zugesichert haben, dass der Dinslakener Trabrennverein auch Fördergelder aus dem sogenannten Spiel 77-Topf für gemeinnützige Vereine erhält, wenn ihm diese Gemeinnützigkeit nicht anerkannt werden sollte. Einem Gleichstellungs-Antrag des Rennvereins soll damit entsprochen werden. Es geht um rund 100.000 Euro jährlich.

Dinslakener suchen Alternativen

Wallache verzögern Wiederbeginn

(ntd-press) - Der Rat der Stadt Dinslaken hat in einer nichtöffentlichen Sondersitzung am 2. März beschlossen, das Erbbaurecht über das Gelände der Trabrennbahn vom Insolvenz-Verwalter des TRV Dinslaken e.V. zurückzukaufen.

Die gleichzeitig angestrebte Entscheidung, ggf. einen Pachtvertrag mit dem Niederrheinischen Trabrennverein Dinslaken e.V. abzuschließen, wurde auf den 23. März vertagt. Damit ist die angestrebte Wiederaufnahme des Rennbetriebes spätestens am 15. März ausgeschlossen. Begründet wurde die Verschiebung der Entscheidung mit der bisher nicht geklärten Frage der Gemeinnützigkeit des neuen Vereins, deren Zuerkennung die Finanzbehörden mit der Begründung ablehnen, dass durch die Teilnahme von Wallachen an den Rennen der Charakter einer Leistungsprüfung verloren gehe und der die Gemeinnützigkeit begründende Zweck, nämlich die Förderung der Traber-Zucht, nicht mehr gegeben sei.

Dies war im Wesentlichen auch die Begründung für das BFH-Urteil, das zur Insolvenz des Trabrennverein Dinslaken e.V. geführt hat. Während jedoch die bestehenden Trabrennvereine durch einen Nichtanwendungs-Erlass bis zum 31.12.2011 vor den Folgen des Urteils geschützt sind, wird dem neu gegründeten Verein ein solcher Schutz nicht gewährt.

Wird jedoch die Gemeinnützigkeit auf Dauer nicht zuerkannt oder die Zuerkennung weiter hinaus gezögert, würde der neue Verein keine Mittel aus dem »Spiel 77« bekommen, da deren Zuteilung vom Status der Gemeinnützigkeit abhängig ist. Dies wiederum würde bedeuten, dass in dem der Stadt vorgelegten Finanzierungskonzept für die erfolgreiche Betreibung der Bahn eine erhebliche Deckungslücke entstünde.

Die Verantwortlichen werden die Zeit bis zum 23. März nutzen, nach einer Alternative zu suchen. Der Stadt Dinslaken geht es in erster Linie darum, einen »überlebensfähigen« Betreiber auf der Anlage zu wissen. Sollten die Bemühungen von Erfolg gekrönt sein und der Vertrag infolge einer positiven Entscheidung am 23. März abgeschlossen werden, würde als Termin des Neubeginns der Ostermontag (5. April) in Frage kommen.

Der Insolvenz-Verwalter des TRV Dinslaken e.V. hat inzwischen mitgeteilt, dass aufgrund der Rats-Entscheidung ein Verkauf des Inventars oder Teilen davon an fremde Dritte vor dem 23. März nicht stattfinden wird.

Dinslaken-Chef Lettgen will

am 15. März wieder Rennen

Doch Finanzamt stellt sich noch quer: Wegen der Wallache

In Dinslaken stehen die Zeichen für einen Neubeginn gut. Wenn alles optimal liefe, wäre ein Neustart schon am 8. März denkbar, aber wir wollen nichts übers Knie brechen und halten den Einstand des Niederrheinischen Trabrennverein Dinslaken als Veranstalter auf der Anlage am Bärenkamp am 15. März für eine realistische Perspektive, sagt der Vorsitzende des Rennvereins, Theo Lettgen.

Probleme gibt es aber noch mit den Finanzbehörden, die nach Bekunden von Lettgen dem neuen Verein die Gemeinnützigkeit nicht zuerkennen wollen. Im Gegensatz zu den bestehenden Rennvereinen, die durch einen Nichtanwendungs-Erlass zumindest bis Ende nächsten Jahres vor den Folgen des BFH-Urteils, das letztlich zur Insolvenz des TRV Dinslaken führte, geschützt werden, soll die abstruse Wallach-Klausel auf den neuen Veranstalter angewendet werden. Faktisch würde dies bedeuten, dass aufgrund der Teilnahme von Wallachen nach Meinung der Finanzverwaltung nur Trabrennen in Dinslaken nicht als Leistungsprüfungen im Sinne des Tierzuchtgesetzes betrachtet werden sollen, womit der Gemeinnützigkeit stiftende Zweck nicht gegeben wäre.

Deshalb wird jetzt nach einer Möglichkeit gesucht, den Nachweis, mit Trabrennen auch in Dinslaken der Förderung der Traberzucht zu dienen, anderweitig zu führen. Damit wäre dann auch das letzte Hindernis, das einen Neubeginn eventuell verzögern oder verhindern könnte, beseitigt.

Nachdem der Ältestenrat der Stadt Dinslaken bereits vor rund zwei Wochen dem Plan zugestimmt hat, den seinerzeit in Bezug auf den inzwischen insolventen Trabrennverein Dinslaken gefassten Ratsbeschluss nun mit dem Insolvenzverwalter umzusetzen und zeitgleich mit der Rückübertragung des Erbbaurechts einen Pachtvertrag mit dem von Lettgen und seinen Mitstreitern gegründeten neuen Verein abzuschließen, bedarf dieser noch der Genehmigung durch den Haupt- und Finanzausschuss (soll am 24. Februar erfolgen) und des Rates der Stadt, der eine entsprechende Vorlage auf der Tagesordnung einer für den 2. März terminierten Sondersitzung stehen hat.

Die Genehmigung der beiden Gremien vorausgesetzt, wäre der Niederrheinische Rennverein ab dem 8. März Pächter auf der Halbmeilenbahn und könnte theoretisch ab diesem Tag veranstalten. Dazu braucht es natürlich auch das nun dem Insolvenzverwalter gehörende Inventar, doch nachdem die ersten Gespräche bezüglich der Finanzierung positiv verlaufen sind, sollte dies letztlich kein Hinderungsgrund sein. Dennoch bleibt Lettgen vorsichtig: Wir müssen erst prüfen, ob die Funktionsfähigkeit der Anlage während der rund zwei Monate Pause nicht gelitten hat, insbesondere die Leitungen, die für die Wettübermittlung aus den Annahmestellen wichtig sind, müssen einwandfrei funktionieren.

Stadler zum Problem Dinslaken:

"Bestandsschutz für die Vereine"

(15-01-10) Max Stadler, HVT-Chef, hat Freitag in einem Gespräch mit pfer.de bekräftigt, dass man sehr intensiv mit dem Problem Dinslaken beschäftigt sei. Es gelte für alle Rennvereine vorläufig, dass die Besteuerung von Dinslaken ein Einzelfall bleibe. Das BFH-Urteil sei noch nicht veröffentlicht und werde - wenn - auch nur mit einem Begleitschreiben des Bundesfinanzministeriums veröffentlicht, in dem ein Bestandsschutz für alle betroffenen Vereine zugesagt werde. Das gehe auch annähernd aus der BFH-Mitteilung hervor, in der es abschließend wörtlich heißt: Der BFH hat mit diesem Urteil nicht nur entgegen der Auffassung der Trabrennvereine, sondern auch gegen die bisherige Praxis der Finanzverwaltung entschieden. Es ist anzunehmen, dass zumindest für die Vergangenheit Vertrauensschutz gewährt werden wird.

Über die aktuellen Tätigkeiten schilderte Stadler, dass man sich am kommenden Mittwoch zusammen mit den Galoppern wieder bei dem von beiden Organisationen beauftragten Fachanwalt treffen werde. Zuletzt war das Besteuerungsproblem am 10. Dezember zum zweiten Mal Thema in der Bund-/Länderkonferenz. Alle politischen Gremien seien sich mit dem Rennsport einig, dass für die Zukunft eine Neuregelung geschafft werden muss. Wer die Einzelheiten des BFH-Urteils kenne, müsse aber auch schnell erkennen, wie diffiziel und notgedrungen langwierig die Abfassung einer derartigen Neuregelung werden muss.

Theo Lettgen will endlich gleiches Steuer-Recht für alle

Dinslaken: Neuer Verein gegründet

Aber Rennfortsetzung total ungewiß

12.01.2010 - Niederrheinischer Trabrennverein Dinslaken So heißt der neue Verein, der jetzt gegründet wurde, um möglichst bald wieder Rennen in Dinslaken veranstalten zu können. Doch wann montags wieder Betrieb ist auf der Bahn, die auch in schwierigsten Zeiten immer noch mit den besten Umsätzen aller Trabrennbahnen glänzte, ist völlig ungewiss.
Dinslaken ist überall
Unter diesem Titel hat Frank Henschker bereits im Juni die Bedeutung des BFH-Urteils für den gesamten deutschen Pferderennsport deutlich gemacht.

Sein lesenswerter Bericht...


Theo Lettgen, der Macher in Dinslaken, ist völlig frustriert. Auf die Nachfragen beim Finanzamt, welche Steuerbescheide denn ein neuer Verein erhalten würde, erhielt er nur die lapidare Auskunft: Man wisse es nicht. Ich brauche eine Körperschaft. Sonst erreicht man gar nichts, schloss Lettgen. Deshalb stiefelte er mit sieben Trabsportfreunden zum Notar, machte einen neuen Verein auf und reichte auch schon das Gründungsprotokoll beim Gericht ein. Es sollte keine Zeit vertan werden.

Aber auf Abenteuer lasse ich mich nicht mehr ein, schränkt Lettgen sofort ein. Hinterher dürfen da plötzlich nur noch Stuten mit schwarzen Haaren laufen, sagt er verbittert mit Blick auf das Urteil des Bundesfinanzhofes, der unter anderem wegen der Teilnahme von Wallachen an Pferderennen deren steuerbegünstigten Betrieb zur Förderung der Pferdezucht verneinte. Ich bin soweit, dass ich mich mit einem Schild vors Finanzministerium stelle, um endlich gleiches Steuerrecht für alle zu fordern. Man muss doch an diesem Rechtstaat zweifeln.

Abgesehen von den neugegründeten Vereinen sei es doch nicht einzusehen, warum ausgerechnet Dinslaken so behandelt wird: Es gibt in unserem Bezirk andere hundertjährige Rennvereine wie Köln und Düsseldorf. Aber die bleiben ungeschoren... Dabei sei es überhaupt unvorstellbar, wenn dieses BFH-Urteil überall angewendet würde. Selbst auf den Reittunieren würden doch Wallache herumspringen. Die Reitvereine müssten ebenso wie alle Traber und Galopper ihre Gemeinnützigkeit verlieren und dürften keine Spenden mehr annehmen.

Dass bei diesem Szenario die ganze Pferdewelt wie ein Mann hinter Dinslaken steht - keine Spur davon. Glauben Sie mal nicht, dass da irgendeiner angerufen hätte am letzten Dinslakener Renntag, klagt Lettgen. Aus dem Traberlager - nichts, bis auf die Presseverlautbarung des HVT. Aus der Politik: Nichts. Nur eine kleine Besitzerin aus dem Kreis Soest, die mit ihrer inzwischen eingegangenen Stute schöne Siege in Dinslaken feiern konnte, sammelte unermüdlich Unterschriften. Das ist Theo Lettgen wohltuend aufgefallen.

Dass der Insolvenzverwalter Verfassungsklage gegen das mit dem BFH-Urteil begründete Vorgehen des Dinslakener Finanzamtes eingereicht hat und für die Finanzierung dieser Klage immerhin 25 000 Euro abzwackte, müsste Lettgen eigentlich Mut machen. Aber bis darüber verhandelt wird! kommentiert er reichlich mutlos. Um dann sehr bestimmt zu bilanzieren: Wenn sich das Finanzamt auch gegenüber dem neuen Verein stur stellt, dann war es das eben. Dann hat die Gründung des neuen Vereins nochmal 200 Euro gekostet. Aber dann ist auch endgültig Schluss.

HVT: Unterstützung für Dinslaken

Dinslaken (mspw) Der vorerst letzte Renntag (11-1-10) auf der Trabrennbahn in Dinslaken. Grund: Mögliche Verkürzung der Insolvenzmasse und ungeklärte Situation um Steuerforderungen der Finanzbehörde, gegen die Insolvenzverwalter Thomas Schmitz aus Krefeld inzwischen Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht hat. Der Zeitpunkt einer Entscheidung ist völlig ungewiss. So lange will man im Traberlager nicht warten. Deswegen hat Max Stadler, Präsident des Traber-Dachverbandes (HVT), jetzt in einem Interview volle Unterstützung für Dinslaken angekündigt.

Gehen in Dinslaken in Sachen Trabrennsport jetzt die Lichter aus?
Stadler: Ich kann mir das nicht vorstellen. Es befindet sich dort ein neuer Rennverein bereits in Gründung. Wir wollen aktiv mithelfen, zusammen mit dem Bundesfinanzministerium die Problematik zu klären, die durch die Forderung der Finanzbehörde im Raume steht. Wir sind deshalb schon lange in engem Kontakt mit den zuständigen Stellen.

Die jetzige Dinslakener Vereinsführung hat am Montag ebenfalls erklärt, zunächst müssen die Rahmenbedingungen, insbesondere die fiskalischen, geklärt werden.
Stadler: Das sehen wir auch so. Wir führen bereits seit Wochen intensive Gespräche. Weder der Hauptverband für Traber-Zucht noch die Vermarktungsgesellschaft Win Race haben ein Interesse daran, Dinslaken als Standort für unseren Sport aufzugeben.

Der Dinslakener Rennverein hat ganz konkret erklärt, man sehe nicht ein, dass in Dinslaken andere Steuergesetze gelten sollen als in anderen deutschen Städten. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Stadler: Totale Übereinstimmung! Gleiches Recht und gleiche Gesetze für alle.

Gibt es ein Zeitfenster für das weitere Vorgehen?
Stadler: Gespräche mit der Stadt, die Eigentümer des Geländes ist, sollten in erster Linie vom Verein geführt werden. Auf politischer Ebene bemüht sich unser Dachverband zusammen mit dem Galopper-Direktorium für Vollblutzucht und Rennen um eine vernünftige und schnelle Lösung.

Wie sieht das Ziel aus?
Stadler: Anfang Februar sollten wieder Rennen in Dinslaken möglich sein. Dazu wollen wir beitragen und gegebenenfalls Übergangslösungen mit anderen Vereinen initiieren, um einen Rennbetrieb zu gewährleisten.

Montag (11. Januar) soll doch kein Abschied für immer sein

Theo Lettgen gibt nicht auf

Dinslaken (8-1-2010) Schon einen Tag, nachdem bei der Gläubigerversammlung vor dem Amtsgericht Duisburg das vorläufige Aus für die Trabrennbahn am Bärenkamp zum 12. Januar beschlossen worden war, zeigt sich der Vorsitzende von Dintrab Theo Lettgen bereits wieder kämpferisch. Wie die Rheinische Post berichtete, führte er sofort am Tag des Einstellungsbeschlusses erste Gespräche mit Vertretern der Stadt und dem Landwirtschaftsministerium, von wo er angeblich auch positive Signale für eine Fortsetzung von Trabrennen in Dinslaken erhielt.
Es ist nach wie vor verwunderlich, dass nicht der gesamte deutsche Rennsport wie ein Mann hinter Disnlaken steht, denn im Grunde ist (wenn ein Urteil des Bundesfinanzhofs auf allen Rennbahnen angewendet würde) Dinslaken überall. Doch Theo Lettgen weiss nur von fehlender Unterstützung.
Der Rheinischen Post sagte er jetzt: "Es kann ja nicht sein, dass in Dinslaken andere Gesetze herrschen als in den anderen Städten unseres Landes, wo ebenfalls Pferdesportrennen veranstaltet werden." Für ihn persönlich macht aber auch die Neugründung eines Rennvereins und damit die Veranstaltung von Rennen am Bärenkamp nur dann wieder Sinn, wenn das letztendlich für das Aus verantwortliche Urteil des Bundesfinanzhofs nicht auch für einen neuen Verein Anwendung findet. "Ansonsten braucht man sich erst gar nicht um Einzelheiten wie eine Totalisatorgenehmigung zu bemühen", sagt Lettgen.

HVT zum Insolvenzantrag des Trabrennvereins Dinslaken

Rennbetrieb soll weitergeführt werden

Berlin (mspw) - Nachdem sich der Trabrennverein Dinslaken am Dienstag gezwungen sah, beim Amtsgericht in Duisburg wegen drohender Steuernachzahlungen in Höhe von 2,05 Millionen Euro Insolvenz zu beantragen, nimmt der Traber-Dachverband HVT mit Sitz in Berlin zur aktuellen Entwicklung Stellung.

Der Insolvenzantrag des Trabrennvereins Dinslaken ist höchst bedauerlich, weil er nicht durch den laufenden Rennbetrieb, sondern durch nach unserer Einschätzung in der Sache unzutreffende und somit ungerechtfertigte Steuerbescheide notwendig wurde, erklärte HVT-Präsident Max Stadler und betonte ausdrücklich, dass den derzeitigen Verantwortlichen in Dinslaken an dieser Entwicklung keinerlei Schuld vorzuwerfen sei.

Grund für die drohende Zahlungsunfähigkeit des Dinslakener Trabrennvereins ist ein Urteil des Bundesfinanzhofes, nach dem Steuerbescheide aus den Jahren 1995 bis 2003 rechtskräftig geworden sind. Demnach muss der Rennverein Körperschaftssteuer, Solidaritätszuschlag und Zinsen in Höhe von 2,05 Millionen Euro nachzahlen.

Obwohl der Verein bei den Finanzbehörden einen Erlassantrag gestellt hat, über den noch nicht entschieden wurde, lehnte das Finanzamt Dinslaken eine Aussetzung der Steuerbescheide ab. Deshalb entschied sich der Vorstand des Trabrennvereins in einer Dringlichkeitssitzung zum Insolvenzantrag. Das jetzt beantragte Verfahren schützt den Rennverein damit auch bis zur endgültigen Klärung vor dem Zugriff des Finanzamtes und verhindert die bereits angedrohte Pfändung, erklärte Max Stadler. Sollte dem Erlassantrag des Rennvereins entsprochen werden, könne das Insolvenzverfahren sofort wieder beendet werden.

Der HVT-Präsident zeigte sich zuversichtlich, dass der Rennbetrieb auf der Bahn am Bärenkamp schon bald durch einen Insolvenzverwalter weitergeführt wird. Durch die eingeleiteten Maßnahmen in den letzten Monaten ist der Rennbetrieb nicht mehr defizitär, so Stadler. Die für den kommenden Montag, 27. Juli, vorgesehene Rennveranstaltung musste allerdings aus Zeitgründen abgesagt werden.

Der HVT und das für den deutschen Galopprennsport zuständige Direktorium für Vollblutzucht und Rennen (Köln) haben als Reaktion auf das Urteil des Bundesfinanzhofes gemeinsam einen renommierten Steuerfachanwalt beauftragt, unter Federführung des Bundesministeriums für Finanzen sinngebende Rahmenbedingungen für die Besteuerung von gemeinnützigen Vereinen zu gestalten.

Dinslaken ist überall

Bundesfinanzhof entscheidet: Pferderennen sind nicht gemeinnützig
Von Frank Henschker
(Zuerst veröffentlicht am 24. Juni 2009 in den Turf-Nachrichten)
Der in München ansässige Bundesfinanzhof (BFH), das oberste deutsche Gericht in Steuersachen, hat mit einem Urteil Ende April seine bisherige Rechtsprechung zur Gemeinnützigkeit von Pferderennvereinen geändert und damit Turf & Trab richtig einen eingeschenkt. Mit dem folgenden Beitrag wollen wir das steuerrechtliche Fachchinesisch für die sportpolitisch interessierten Turffans soweit wie möglich ins Normaldeutsch übersetzen. Die verantwortlichen Herren im Direktorium werden auf diese Weise ebenfalls auf das Problem aufmerksam gemacht; Stellungnahmen von Rennvereinen zu diesem Thema veröffentlichen wir gern. In der Entscheidung des BFH wird der Name des betroffenen Veranstalters zwar nicht genannt, doch wissen wir, dass es sich um den "Trabrennverein Dinslaken e.V." handelt. Die Überschrift der Pressemitteilung macht aber die steuerrechtliche Bedeutung des Falles auch für die Galopper deutlich. Die Rennvereine der Galopper und Traber sind von dem Urteil gleichermaßen betroffen. Zur besseren Einstimmung hier zunächst der Wortlaut der Pressemitteilung des BFH vom 27. Mai 2009:
"Pferderennen sind nicht gemeinnützig
Der Bundesfinanzhof (BFH) hat durch Urteil vom 22. April 2009 I R 15/07 entschieden, dass Trabrennen, welche ein im Übrigen wegen Förderung der Tierzucht gemeinnütziger und deshalb steuerbefreiter Verein veranstaltet, steuerpflichtig sein können. Der Verein hatte geltend gemacht, die Trabrennen seien als Leistungsprüfungen für die Zucht unerlässlich. Auch das Tierzuchtgesetz sehe derartige Prüfungen vor. Es handele sich daher um rein züchterische Veranstaltungen, die als sog. Zweckbetrieb ebenfalls steuerbefreit seien. Dem hat sich der BFH nicht angeschlossen. Seiner Auffassung nach sind Trabrennen vor allem sportliche Veranstaltungen und ein beliebtes Freizeitvergnügen. Pferderennen unterschieden sich nicht wesentlich von anderen Sportveranstaltungen wie Fußballspielen, Boxveranstaltungen oder etwa Auto- und Radrennen. Gleichwohl seien derartige Veranstaltungen, wenn sie unter denselben Bedingungen durchgeführt würden, steuerpflichtig. Ferner könnten derartige Leistungsprüfungen auch ohne zahlendes Publikum abgehalten werden. Schon aus Wettbewerbs- und Gleichheitsgründen gebe es keinen Anlass, den Pferdesport zu begünstigen. Der BFH hat mit diesem Urteil nicht nur entgegen der Auffassung der Trabrennvereine, sondern auch gegen die bisherige Praxis der Finanzverwaltung entschieden. Es ist anzunehmen, dass zumindest für die Vergangenheit Vertrauensschutz gewährt werden wird."

Der BFH gibt mit diesem Urteil sogar seine eigene bisherige Sichtweise auf, die er bis vor wenigen Jahren noch vertreten hatte. Ferner widerspricht er dem Bundesfinanzministerium, das bislang eine für die Rennvereine günstigere Auffassung hatte. Also harte Zeiten für die Rennbahnen in Zukunft! Die vollständigen Urteilsgründe umfassen fünf Seiten, aus denen wir hier zitieren. Ganz auf Fachchinesisch können wir dabei leider nicht verzichten, um die Thematik zu erklären. Es geht darum, dass die verschiedenen Aktivitäten eines Rennvereins jeweils steuerrechtlich unterschiedlich gehandhabt werden: Verkauf von Einstrittskarten, Totobetrieb, Sponsorengelder, Konzerte auf der Rennbahn - all das darf man nicht in ein und denselben Topf werfen. Wegen der Förderung der Tierzucht (Traber bzw. Vollblüter) sind die Rennvereine als gemeinnützig anerkannt und damit von der Körperschaftssteuer befreit. Die Befreiung gilt allerdings nicht, insoweit der Rennverein einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb unterhält. Darunter fallen z. B. die Drittveranstaltungen wie die Musik-Events. Steuerlich gefördert werden soll eben nur die Kerntätigkeit, die der Allgemeinheit dient, und nicht das lukrative Halligalli drumherum. Dass der Totalisator ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb ist, war im Verfahren vor dem BFH auch gar nicht streitig zwischen den Parteien. Das Neue bestand vielmehr darin: Der BFH bewertet jetzt auch die Veranstaltung von Pferderennen selbst als wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb, weil dies eine unternehmerische Tätigkeit sei. Die Steuerbefreiung könnte in diesem Szenario nur beibehalten werden, wenn das Ausrichten der Rennveranstaltung von der Finanzverwaltung als so genannter "Zweckbetrieb" eingestuft würde. Ein Zweckbetrieb liegt dann vor, wenn die Aktivität dazu dient, die satzungsmäßigen Zwecke des Vereins zu verwirklichen, und es sich um einen für die Vereinszwecke "unentbehrlichen Hilfsbetrieb" handelt. Genau dies verneinte der BFH nun im aktuell entschiedenen Fall Dinslaken.
WARUM SIND RENNVERANSTALTUNGEN KEIN "ZWECKBETRIEB"?
Der BFH beschäftigt sich in seinen Urteilsgründen ausführlich mit der Begründung, warum Rennveranstaltungen kein steuerbegünstigter Zweckbetrieb seien, und führt dazu mehrere Gründe an:
1. Unsere rennsportlichen Altvorderen wie Hans-Heinrich von Loeper würden natürlich mit voller Überzeugung betonen, dass Galopprennen der Auslese für die Vollblutzucht dienen und schon allein deshalb Zweckbetrieb seien. Auch der BFH erkennt das Zuchtziel (auf die Traber bezogen) an, macht aber gleichzeitig geltend, dass Pferderennen in erster Linie sportliches Freizeitvergnügen sind. Sinngemäß sagt der BFH: Beim Rennen tummeln sich zwar ein paar idealistische Züchter, aber hauptsächlich Tausende vergnügungssüchtiger Zocker. Vielleicht waren die Münchner Richter ja mal privat mit ihren Familien bei einem Dallmayr-Renntag in Riem und haben da ihren Erfahrungsschatz gewonnen. Als Argument contra die züchterische Bestimmung des Rennsports wertet der BFH auch die Tatsache, dass Wallache an den Rennen teilnehmen... Nun ja, ob die Richter da nicht etwas turf-weltfremd sind? Immerhin kommen ja sogar 90 % aller jungen Vollbluthengste schon relativ früh in ihrer Rennkarriere nicht mehr für Zuchtzwecke in Betracht, und was soll man mit diesen Pferden außer Rennen bestreiten sonst machen? Ein Renntag, der nur aus einem einzigen Black Type-Rennen ohne Rahmenprogramm besteht, wäre zudem auch völlig unwirtschaftlich für den Veranstalter.
2. Auch die Tatsache, dass der besagte Trabrennverein auf seiner Website nur den Rennsport promotete, aber nicht auf züchterische Fragen einging, legte der BFH gegen den Verein aus. Der BFH vergleicht den Pferderennsport unter anderem mit dem Automobilrennsport. Auch bei letzterem gehe es um Materialtests und um Leistungsprüfungen, doch überwiegend stünden Vergnügen und Wettkampf im Vordergrund. Der züchterische Aspekt sei beim Pferderennsport nur Nebenzweck der kommerziellen Rennveranstaltung. In diesem wesentlichen Punkt kann man dem BFH durchaus beipflichten. Wer schon einmal eine Rennveranstaltung im österreichischen Magna Racino miterlebt hat, dem fällt es wirklich schwer zu glauben, dass der züchterische Ausleseprozess dabei im Mittelpunkt des Geschehens stehen soll. Ähnlich verhält es sich mit den Rennveranstaltungen im Ferienort Hooksiel an der Nordsee, die in erster Linie der Unterhaltung der Sommerfrischler dienen. Für den BFH würde es steuerrechtlich keinen Unterschied machen, ob DJ BoBo in Hooksiel singt oder ob dort Pferderennen stattfinden. Der steuerrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz wiegt für die Richter schwer, und diesen Aspekt darf man beim Blick durch die interessengefärbte Galopper-Brille nicht einfach als unwichtig abtun.
3. Schließlich meint der BFH, dass Leistungsprüfungen für Rennpferde auch anderweitig erfolgen können, d.h. dass für die Abhaltung von Rennen kein zahlendes Publikum und keine fetten Rennpreise nötig seien. Diese Ansicht der Richter erscheint doch arg weit weg von der rennsportlichen Realität. Selbst wenn man Pferderennen nur auf Naturpisten wie dem Duhner Watt austragen würde, wäre dafür eine erheblicher Aufwand mit Infrastruktur nötig, die eben unter anderem durch Eintrittsgelder finanziert wird. Oder sollen die Rennstallbesitzer ihr Hobby zu 100 % selbst finanzieren? Dies scheint die neue Sichtweise der BFH-Richter zu sein. Leistungsprüfungen für die züchterische Auslese wären dann wohl nur noch möglich, wenn reiche Gestüte wie Schlenderhan, Röttgen und Fährhof ihre eigenen Trainierbahnen für Galopprennen zur Verfügung stellen würden. Wie lange würde es solche Gestüte unter diesen Voraussetzungen aber noch geben?
Das Fazit des BFH in seinen Urteilsgründen: "Der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb "Rennbetrieb" dient damit in seiner Gesamtrichtung nicht dazu, die steuerbegünstigten satzungsmäßigen Zwecke zu verwirklichen, denn er wird nicht allein durch den züchterischen Zweck, sondern in mindestens gleicher Weise auch durch den sportlichen Charakter der Rennen geprägt." Basta! Bei unvoreingenommener Betrachtung gelangt man zu der Feststellung, dass es gute Argumente sowohl für die alte als auch für die neue Rechtsprechung gibt. Egal, ob es einem gefällt oder nicht, der Rennsport muss mit dem Urteil nun leben. Da es sich um eine höchstrichterliche Rechtsprechung handelt, sind die Finanzgerichte daran künftig gebunden. Wie sich das Urteil in der Praxis auswirken wird, werden die nächsten Jahre zeigen. Körperschaftssteuer wird schließlich nur geschuldet, sofern Gewinne anfallen. In jedem Fall rächt sich nun die konzeptionelle Schwäche und das Nichtstun der deutschen Galopp-Oberen in der Vergangenheit. Schon vor neun Jahren hatte der Autor dieser Zeilen im Rahmen eines GALOPP INTERN-Beitrags über den Sponsoring-Erlass des Bundesfinanzministeriums angeregt, dass die Kölner sich auf politischer Ebene für eine steuerrechtliche Gesamtlösung, die auch die willkürlich gehandhabte Rennwettsteuer-Rückerstattung umfassen muss, einsetzen sollten. Das hätte eine wirkliche Strukturreform bedeutet. Stattdessen preist man nun den Versuch, die kleinen Leute des Turfs ein paar neue Wettbuden finanzieren zu lassen, als "Strukturreform".
Unabhängig davon wird wieder einmal offenkundig, dass deutsche Richter wie auch unsere Politiker durch die fehlende Medienpräsenz des Pferderennsports keinerlei Feeling für das Wesen und die Erfordernisse des Turfs entwickelt haben. Wie sollten sie auch? Im Fall des BFH könnte es sogar sein, dass die Münchner Richter als Leser der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG durch deren kritische, aber zutreffende Berichterstattung über die Unregelmäßigkeiten in Riem ihre negative Meinung über den Pferderennsport gewonnen haben. Auffallend ist jedenfalls, dass der BFH seine Einschätzung des Rennsports erst jüngst, aber dafür umso radikaler geändert hat. Verantwortlich für die schlechten Nachrichten in den Medien ist aber nicht der Bote SZ, sondern der deutsche Turf als Verursacher. Es liegt deshalb am Rennsport selbst, durch ethischeres Verhalten für ein positives Echo in den Medien zu sorgen.

Dinslaken: Trabrennbahn des Jahres 2000

(24-07-2001)So wie in Deutschland regelmäßig der "Traber des Jahres" aufgrund herausragender Leistungen gewählt wird, hat der Bundesverband Deutscher Traber-Trainer e.V. (BDT) beschlossen, nunmehr aus Sicht der Aktiven auch alle 12 Monate eine "Trabrennbahn des Jahres" zu wählen, deren Management sich in dem jeweiligen Jahr besonders um Verbesserung des Service für Aktive, Besitzer und Besucher eingesetzt hat.

Kriterien für die jährlichen Wahl sind dabei vor allem Punkte wie das Rennpreisniveau, der Anteil von Besitzern und Züchtern im Management des Rennveranstalters, die Ausstattung sowie der Pflegezustand des Geläufes, des Stallgeländes, der Paddock-Bereiche und der Aktivenumkleiden, die technische Ausstattung von Rennleitungszimmer und Meldestelle, der Zustand des technischen Equipments (Bahnfernsehen, Zielfotografie, Lautsprecheranlage), der Besucher-Service (Parkmöglichkeiten, Bahn-Sprecher, Information, Außenwett-Möglichkeiten, Gastronomie im Tribünenbereich und Stallcasino, Internet-Präsentation des Rennveranstalters etc.) sowie der Service für Besitzer und Aktive im Verwaltungsbereich.

Unter Abwägung all dieser Punkte hat der Vorstand des BDT für das Jahr 2000 die Halbmeilenbahn am Bärenkamp zur "Trabrennbahn des Jahres" gewählt.

Dintrab errichtet eine der

modernsten Rennpisten Europas

10.000 Tonnen Material aus dem Sauerland werden aufgetragen

(22-07-2001) Seit einigen Jahren hegte man bereits den Wunsch, die 1972 am Bärenkamp errichtete, mittlerweile verschlissene Rennpiste zu erneuern. Nun ist es endlich soweit. Schon bald wird Dintrab, kürzlich erst vom Bundesverband der Trainer zur Trabrennbahn des Jahres 2000 gekürt, über eine der modernsten Rennpisten Europas verfügen.

Bei der Suche nach einem geeigneten Konzept schloss sich die Vereinsführung zunächst mit den Aktiven kurz. Meinungen wurden eingeholt, Gespräche mit schwedischen und italienischen Veranstaltern geführt. Schließlich fand man in Bologna eine ebenfalls 800 Meter lange Rennbahn, die den Wunschvorstellungen aller Beteiligten entspricht. Nach weiterführenden Gesprächen mit Bauingenieuren und Materialprüfern reiften die Planungen, die nun Realität werden.

Mittlerweile sind die Vorarbeiten nahezu abgeschlossen. Im Innenraum entstand ein komplexes unterirdisches Abwasser- und Drainagesystem. In diesen Tagen beginnt bereits die Anlieferung von insgesamt ca. 10.000 Tonnen Kalksandstein. Etwa 400 Sattelzug-Ladungen werden nötig sein, um das Material aus einem Steinbruch im Sauerland nach Dinslaken zu transportieren. Dort wird der Kalksandstein aus besonders tiefen Schichten gefördert.

Der eigentliche Neubau der Rennpiste erfolgt voraussichtlich Mitte August. 13 Tage werden dann nötig sein, um die noch vorhandene Leitplanke zu entfernen und durch schwedische Trackpoles (Knickpinne) zu ersetzen, das Geläuf auf seiner gesamten Länge auszukoffern, die Bögen zu erhöhen, Übergangskurven (Klotoiden) einzurichten und das Material aufzubringen.

Glücklicherweise fand Dintrab mit dem Dinslakener Bauingenieur Ralf Nowack einen idealen Partner, der sich mit großer Akribie in die Aufgabe eingearbeitet hat. Die Planung einer Rennpiste für Trabrennpferde bedeutete für Nowack natürlich Neuland. Er fand mit einer wissenschaftlichen Arbeit des Fredericson Instituts für Anatomie und Histologie der tierärztlichen Fakultät der Universität in Uppsala jedoch eine wichtige Grundlage für diese berufliche Herausforderung. Gemeinsam mit Fachleuten aus Kanada und den USA hatte man sich in Schweden schon vor Jahren der wissenschaftlichen Grundlagenarbeit für den Bau moderner Rennbahnen gewidmet. Nowack zog wichtige Erkenntnisse aus dieser Arbeit und präsentierte dem Dinslakener Trabrennverein schließlich seine Planungen für den Bau einer Rennpiste, die im Besonderen den Bedürfnissen der Pferde angepaßt wird. Unter Berücksichtigung der Gegebenheiten wird so eine Bahn entstehen, die den Forderungen der Wissenschaft, der Fahrer, Trainer und Besitzer fast zu 100 Prozent entspricht. Gleichzeitig soll die Linienführung gemeinsam mit überhöhten Kurven, Übergangskurven, fast planen Geraden, einer Ausweichspur und einem elastischen sowie griffigen Untergrund allen Pferden die Möglichkeit geben, auf der 800-Meter-Bahn Höchstleistungen zu vollbringen, ohne den Bewegungsapparat überdurchschnittlich zu strapazieren.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen jedoch nicht nur die Kurven angemessen überhöht werden. Erforderlich wird auch eine berarbeitung der zur Zeit um 4,5 % nach innen geneigten Geraden.

Quergeneigte Geraden

(Auszug aus "A biotechnical approach to the geometric design of racetracks" - Fredericson) Trabrennbahnen werden gewhnlich mit einer gewissen Querneigung der Geraden gebaut, um eine Dr‰nung bei heftigem Regen zu erleichtern. Ein Pferd, das eine solche Gerade entlang trabt, ist einer gegen die innere Bahnbegrenzung gerichteten Kraft ausgesetzt, die es berwinden mu, um den geraden Kurs beizubehalten. Die Lage ist somit in gewisser Hinsicht den physikalischen Verh‰ltnissen beim Trab durch eine unzureichend berhhte Kurve entgegengesetzt. Die Pferde adduzieren die ‰ueren Gliedmaen st‰rker als sonst, folglich werden die Hufe schr‰g aufgesetzt. Die ausgesprochene Adduktion und das Aufsetzen der ‰ueren Trachtenwand in Verbindung mit der Querneigung der Geraden rufen eine st‰rkere Schiefbelastung der Karpal- und Fesselgelenke der ‰ueren Beine w‰hrend der Sttzphase hervor. Da das innere Extremit‰tenpaar keine analoge Adduktion aufweist, fallen hier das anomale, schr‰ge Hufaufsetzen und die Schiefdrehung der Gelenke weg. Um das kompensatorische Kr‰ftespiel der Extremit‰ten voll zu entfalten, stellt das Pferd seine L‰ngsachse oft etwas schr‰g ein, so da sich die Hinterhand der inneren Bahnbegrenzung n‰hert. Bei einer Querneigung der Geraden um maximal 2,5 % wurden in Versuchen die besten Ergebnisse erzielt.

Kurven und bergangskurven

Die Gesetze der Physik gelten natrlich im besonderen Mae beim Durchlaufen von Kurven. Die Fliehkraft ist abh‰ngig von der Geschwindigkeit, dem Kurvenradius und der berhhung des Gel‰ufs. Bei engen Radien, zu geringer berhhung und fehlenden bergangskurven streben die Pferde nach auen. Um dies zu verhindern, greifen Trainer zu technischen Kniffen wie Seitenstangen. Somit werden die Pferde in die unphysiologische Rennrichtung gezwungen, was nicht selten zu Galoppaden oder im schlimmsten Fall sogar zu Beeintr‰chtigungen des Bewegungs-apparates fhren kann. In Dinslaken entschloss man sich daher nach Abstimmung mit den Verb‰nden der Trainer, alle wissenschaftlichen Erkenntnisse in den Neubau der 800-Meter-Bahn einflieen zu lassen. Die Geraden werden zuknftig um 2,5 % nach innen geneigt und einen Meter schmaler als bisher sein. Sie bieten dann nur noch neun Gespannen Platz hinter dem Startauto. Klotoiden fhren die Gespanne sanft in die Kurven, deren berhhung 11 % betragen wird. Vllig erneuert wird am B‰renkamp aber nicht nur die Bahngeometrie, sondern auch der Materialaufbau. Bestand das Gel‰uf bisher aus Grauwacke und Rheinsand (Auflage), so wird zuknftig eine homogene Kalksandstein-Schicht fr optimale Bedingungen sorgen. Wie in Bologna oder auch Solvalla sorgt dieser Materialaufbau nicht nur fr auerordentliche Griffigkeit, sondern auch fr ein hohes Ma an Elastizit‰t. Gelenke, B‰nder und Sehnen der Pferde werden geschont. Damit sich das neue Gel‰uf dann auch immer als "Teppich" pr‰sentiert, werden nicht mehr wie gewohnt "Schleppen" fr die Bahnpflege eingesetzt. Ntig wird der Einsatz eine speziellen "Egge". Dieses Ger‰t lockert die oberen zwei Zentimeter des Materials auf und gl‰ttet die Oberfl‰che gleichzeitig. Alles in Allem ist der Trabrennverein Dinslaken sicher, eine Rennpiste zu schaffen, die der Fahrdynamik angepat ist, und die den Pferden optimale Voraussetzungen garantiert.

Der Dintrab-Zirkel

Eine weitere Neuerung stellt zuknftig der Dintrab-Zirkel dar. Im Innenraum der Bahn entsteht zeitlich parallel zum Umbau der Rennpiste ein weiteres Gel‰uf. Der "Ring" erh‰lt einen Durchmesser von 57 Metern und wird ca. 8 Meter breit sein. Genutzt wird diese Einrichtung von allen startenden Gespannen, ‰hnlich wie der Fhrring im Galopprennsport. Derzeit werden die Starter ca. 8 Minuten vor dem Start auf das Gel‰uf zur Parade gerufen, um sich anschlieend hinter dem Startwagen nahezu im Schritt-Tempo dem Publikum vorzustellen. Zuknftig mssen die Starter sp‰testens 8 Minuten vor dem Start im Zirkel vorgefahren werden. Unter der Aufsicht eines Veterin‰rs, der die Renntauglichkeit der Vierbeiner feststellt, und der Rennleitung fr die Kontrolle der Ausrstung, w‰rmen sich die Starter kurz auf, um dann gemeinsam auf das Hauptgel‰uf zu wechseln und vor den Tribnen in Reihenfolge der Programm-Nummern zgig aufzucantern. Mit dieser Neuerung entspricht Dintrab nicht nur den Wnschen der Aktiven und der Rennleitung, sondern bietet den Zuschauern auch in den Rennpausen mehr Aktivit‰t. Geplant ist, die Aktivit‰ten im Zirkel mittels einer "Handkamera" auf die Monitore zu bertragen. Ferner sollen in dem Zirkel Kurzinterviews mit Aktiven und Besitzern stattfinden, die neben den neuen Eindrcken weitere wichtige Erkenntnisse liefern und vor allem zu einem hheren Ma an Unterhaltung beitragen knnen. Die Einweihung des Dintrab-Zirkels wird brigens nicht zeitgleich mit der Erffnung der neuen Rennpiste stattfinden. Zwar drfte der Bau des Gel‰ufs zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen sein, doch wird die Errichtung einer Beleuchtungsanlage noch einige weitere Wochen in Anspruch nehmen. Die Umbaumanahmen des Hauptgel‰ufs werden voraussichtlich am 26. August beendet sein. Ein Renntag, der zu einem sp‰teren Zeitpunkt nachgeholt werden soll, wird ausfallen mssen. 22.07.2001




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