Zuletzt bearbeitet: 13.05.2011

Bilder aus dem Gestüt Röttgen
Das Gestüt Röttgen der Mehl-Mülhens-Stiftung mit ihrem Vorsitzenden Dr. Günter Paul ist eines der schönsten Vollblutgestüte Deutschlands. Hier sind nicht nur Mutterstuten mit Fohlen auf der Koppel und die Deckhengste in architektonisch ungewöhnlich reizvollen Gestütsgebäuden sondern auch Vollblüter aus der Röttgener Zucht beim Galopptraining auf der Anlage des Guts Leidenhausen. Fotos: © Marc Rühl
Trauer in Röttgen und Görlsdorf
Im Alter von 20 Jahren starb der sympathische Schimmel-Hengst an den Folgen eines Oberschenkelbruchs. Heike Bischoff-Lafrentz (kl. Bild), auf deren Gestüt Görlsdorf in der Uckermark Sternkönig in den letzten drei Jahren als Deckhengst aufgestellt war, berichtet: Es ist Donnerstag Nachmittag auf der Koppel passiert. Wir konnten Sterni noch in seine Box tragen, haben alles versucht. Aber am Ende des Tages mussten wir ihn erlösen. Hier sind alle unter Schock. Er war unser Liebling. Es ist als wenn ein Familien-Mitglied gestorben wäre.
Der Kalaglow-Sohn Sternkönig gehörte zu Deutschlands bestem Hengst-Jahrgang aller Zeiten; dem von 1990. Unvergessen die Schlachten, die sich die drei Protagonisten Monsun, Lando und eben Sternkönig auf der Rennbahn lieferten. Im Düsseldorfer Preis der Privatbankiers Merck, Finck & Co. hatte dabei Sternkönig auf höchster Ebene die Nase vorn.
Sternkönig war bis zum Schluss im Besitz des Gestüts Röttgen, auf dem sein bester Nachkomme, der Italienische Derby-Sieger Kallisto deckt. Gestütsmeister Frank Dorff: Wir sind tief betroffen, da wir davon ausgingen, dass der so vitale Sternkönig noch einige Jahre weiter decken würde. Vor allem als Mutterstuten-Vater ist er für die Röttgener Herde unverzichtbar. Deshalb haben wir auch jedes Jahr Stuten nach Görlsdorf geschickt, wo Sternkönig eine wundervolle neue Heimat gefunden hatte.
GETAWAY
2008 war Getaway noch in der Obhut des vielfachen französischen Meistertrainers André Fabre, in Chantilly bei Paris. Bei einer Winterpause in Schlenderhan kam es zu einer ungewöhnlichen Entscheidung: den eigenwilligen Hengst nach 15 Starts unter Fabre-Regie (die u. a. vier Gruppesiege und einen vierten Platz im Arc“ erbracht hatten) künftig in Bergheim zu behalten. Getaway, ein im Umgang nicht immer einfacher Geselle, hatte sich in der Heimat von bester Seite gezeigt, fühlte sich dort offensichtlich so richtig wohl. Glück für Jens Hirschberger, der sein Training fortan übernehmen durfte und dieser Aufgabe mit großer Begeisterung und Hingabe nachging. Der Monsun-Sohn belohnte ihn mit Topleistungen: Nachdem er beim Hamburger Hansa-Preis den Sieg als Zweiter nach ungünstigem Rennverlauf noch verpaßte, hatte er seine Gegner beim Deutschland-Preis in Düsseldorf souverän im Griff. Anschließend in Köln blieb nach langem Kampf Wiener Walzer im Ziel um einen kurzen Kopf vor ihm, doch hätte es wohl genausogut andersherum kommen können. Eine Niederlage war dies nicht wirklich.
Seine Bestform zeigte Getaway 2009 in Iffezheim, als souveräner Sieger im glänzend besetzten Mercedes-Benz Großen Preis von Baden. Nur einmal blieb der große Steher ohne Honorar: bei seinem bereits dritten Start im Prix de l`Arc de Triomphe.
Stephen Hellyn, Stephane Pasquier und dreimal Adrie de Vries waren Getaways Jockeys im Jahr 2009.
Getaway (Hengst, 2003), 5 Jahresstarts, 2 Siege, 2 Platzierungen, Gewinnsumme 2009: 291.000 Euro, GAG 101 kg. Züchter und Besitzer: Georg Baron von Ullmann, Trainer: Jens Hirschberger, Bergheim.
NIGHT MAGIC
“Zauber der Nacht “ - wenn das kein Name für eine Stutenkönigin ist! Night Magic war schon als Zweijährige eines der richtig guten Pferde ihres Jahrgangs gewesen, große Verdienerin und Dritte im Junioren-Preis. 2009 als Dreijährige steigerte sich die Braunschimmelstute aber noch gewaltig. Schon für den Saisonauftakt wählte ihr Münchener Trainer Wolfgang Figge mit dem Frühjahrspreis des Bankhauses Metzler ein anspruchsvolles Ziel gegen die Hengste und auf Gruppenebene: Das Ergebnis: der dritte Platz hinter Glad Panther und dem Favoriten Saphir. Es folgte am Pfingstsonntag in Hoppegarten der dritte Rang hinter Miss Europa und Bolivia im Diana-Trial, bevor es während der Derbywoche im Großen Preis der Jungheinrich Gabelstapler für die in Etzean gezogene Sholokhov-Tochter kein Halten mehr gab.
Am 2. August folgte die Krönung in Düsseldorf, eine Klassedemonstration, wie man sie nur selten zu sehen bekommt: Vom Start bis ins Ziel dominierte Night Magic das höchstdotierte aller deutschen Stutenrennen, den Henkel – 151. Preis der Diana. Ein ungefährdeter Vorsprung von viereinhalb Längen trennte sie am Ziel vom Rest. Das überwältigte Publikum hatte das Gefühl, ein Pferd von einem anderen Stern gesehen zu haben.
Danach kam es zu einem Patzer in Paris: Als Night Magic den berühmten Prix de l`Opéra in Angriff nahm, litt sie unter starker Rosse, blieb als Neunte völlig unter Wert. Das rückte sie dann gründlich wieder zurecht beim abschließenden Gruppe I-Start im Premio Lydia Tesio in Rom, der ihr nur denkbar knapp entging. Doch der zweite Platz in guter Gegnerschaft war eine Rehabilitation für Paris.
Besitzer von Night Magic ist der engagierte Stall Salzburg. Bei allen Jahresstarts der Stute war der resolute Ungar Karoly Kerekes im Sattel.
Night Magic (Stute, 2006), 6 Jahresstarts, 2 Siege, 3 Platzierungen, Gewinnsumme 2009: 332.400 Euro, GAG 96,5 kg. Züchter: Gestüt Etzean, Besitzer: Stall Salzburg, Trainer: Wolfgang Figge, München.
WIENER WALZER
Seine Abstammung ist völlig anders, als sein deutscher Name vermuten läßt: In den Adern von Wiener Walzer fließt fast nur amerikanisches Blut. Er ist ein Sohn des Topvererbers Dynaformer (Vater des Kentucky Derbysiegers Barbaro) und der ebenfalls in Amerika gezogenen Walzerkönigin. Diese Tochter des großen Kingmambo hatte für Schlenderhan Grupperennen in Deutschland, Italien und Frankreich gewonnen sowie Gruppe I-Platzierungen in Amerika gesammelt, bevor sie in die Bergheimer Mutterstutenherde aufgenommen wurde.
Wiener Walzer, ihr dritter Sohn, war 2009 beinahe unbesiegbar. Der Braune gewann vor allem drei der Renommier-Rennen im deutschen Galoppsport: Das Oppenheim Union-Rennen, das IDEE Deutsche Derby und den Rheinland-Pokal. Dabei demonstrierte er jeweils unwiderstehliches Beschleunigungsvermögen. Bei dem Sieg im Bruderkampf“ gegen seinen Trainingsgefährten Getaway offenbarte der Derbysieger außerdem ganz außergewöhnliche Kampfmoral. Wer dieses Rennen in Köln mit seinem dramatischen Endkampf gesehen hat, wird es auf lange Zeit nicht vergessen.
Anschließend, beim glanzvoll besetzten Grand Prix in Iffezheim, mußte Wiener Walzer als Vierter ein einziges Mal im Rennjahr 2009 Gegner vor sich dulden. Züchter des Hengstes ist das Gestüt Schlenderhan, dessen langjährige Herrin Karin Baronin von Ullmann am 1. Juni verstarb und den Derbysieg ihres Cracks nicht mehr erleben sollte.
Jens Hirschberger, Privattrainer für Schlenderhan und Baron von Ullmann, war und ist der Betreuer von Wiener Walzer, der bei seinen Auftritten von vier verschiedenen Jockeys (Andreas Helfenbein, Adrie de Vries, Fredrik Johansson und Filip Minarik) gesteuert wurde.
Wiener Walzer (Hengst, 2006), 5 Jahresstarts, 4 Siege, 1 Platzierung, Gewinnsumme 2009: 478.000 Euro, GAG: 100 kg. Züchter und Besitzer: Gestüt Schlenderhan, Trainer: Jens Hirschberger, Bergheim.