Zuletzt bearbeitet: 03.06.2010
Salzburger reist mit seiner Wunderstute in die alte Berliner Heimat
Schlafexperte will das Superrennen
NIGHT MAGIC (Zauber der Nacht), wenn das kein traumhafter Name für ein Rennpferd ist. Die
vierjährige Vollblutstute, die ihn trägt, wurde vor kurzem Galopper des Jahres 2009. Und der
Mann, dem sie gehört, hat die in Hessen geborene Braunschimmelstute vor drei Jahren zum Teil
auch wegen ihres Namens ersteigert.
Denn der Zauber der Nacht hat Hans-Gerd Wernicke schon
immer Glück gebracht: Der 79jährige Unternehmer hat sein Vermögen zwar nicht im, aber mit
dem Schlaf verdient. Seine Salzburger Firma Wenatex sorgt in zahlreichen Ländern auf
verschiedenen Kontinenten für innovativen, orthopädisch optimalen Schlafkomfort. Zu den 1400
Mitarbeitern des Familienbetriebes gehören mehrere Dutzend bestens ausgebildete
Schlafberater
.
Wernicke – kein großes Wunder bei dem Namen – kommt aus Brandenburg, hat jahrelang in
Berlin gelebt. Auch nach Jahrzehnten in Österreich und Süddeutschland schlägt sein Herz immer
noch auch für die eigentliche Heimat. So führte ihn der Weg 2009 einmal nach Hoppegarten. Der
Galopprennsport, seine vor einigen Jahren entdeckte Leidenschaft, hatte ihn dorthin gelockt,
denn das Diana-Trial Ende Mai war eine der Stationen seiner damals dreijährigen NIGHT MAGIC
auf dem Weg zum großen Ruhm. Nach ihrem dritten Platz in bester Gegnerschaft in Hoppegarten
gewann sie zunächst ein großes Rennen in Hamburg und danach in atemberaubendem Stil das
zweitwertvollste Rennen Deutschlands, den Düsseldorfer Henkel Preis der Diana.
So wurde NIGHT MAGIC zur Stutenkönigin. Vom Start bis ins Ziel dominierte sie das Rennen, ein
ungefährdeter Vorsprung von viereinhalb Längen trennte sie vom Rest und das überwältigte
Publikum hatte das Gefühl, ein Pferd von einem anderen Stern gesehen zu haben. Danach kam es
zwar zu einem Patzer in Paris, aber das rückte sie gründlich zurecht bei ihrem Saisonabschluss in
Rom, im Premio Lydia Tesio (Gruppe I), wo ihr der Sieg nur denkbar knapp entging.
Trainiert wird die Superstute in München-Riem von Wolfgang Figge, der sie vor drei Wochen zum
Jahresauftakt wieder in ein Spitzenrennen in die italienische Hauptstadt schickte. Dass sie dort
nur Siebte war, darf man NIGHT MAGIC nicht zu stark ankreiden,
kommentiert ihr Betreuer.
Konditionell war sie noch nicht voll da. Das wird jetzt in Hoppegarten schon anders aussehen.
Genau 387.600 Euro hat die Stute bei ihren erst 11 Starts schon verdient (genau 19,57 Euro pro
gelaufenen Meter).
Unter dem aus Ungarn stammenden Jockey Karoly Kerekes, ihrem ständigen Reiter, soll
Wernickes Lieblingspferd am Sonntag (6-6-10) an quasi heimischer Stätte für ihn siegen. Im Großen Preis
der Haupstadtregion geht es über 2200 Meter um 70.000 Euro und die Gratulation durch den
brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck. Zauber der Nacht schon am
Nachmittag? Für Hans-Gerd Wernicke, den pferdebegeisterten Schlafexperten, würde sich damit
ein ganz besonderer Traum erfüllen.

Hoppegarten will dynamische Aufwärtsentwicklung fortsetzen
Auftakt mit Millionenpferd Overdose
Die Galoppsaison 2010 auf der Rennbahn in Hoppegarten steht ganz im Zeichen eines weltweit
beachteten Wunderpferdes: Overdose heißt der fünfjährige Galopperhengst, der alle seine
bisherigen 12 Rennen überlegen gewann. Bisher wurde er in Budapest trainiert, aber seit Januar ist
seine Heimat die legendäre Rennbahn vor den Toren der Hauptstadt Berlin. Ein Pferd dieser Klasse
hat man dort seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen, vielleicht sogar noch nie.
Fast sämtliche Galopp-Mogule Europas hatten sich im vergangenen Jahr um den Braunen gerissen;
das höchste Angebot machte der Herrscher von Dubai. Doch der größte Rennstallbesitzer der Welt
kam diesmal nicht zum Zuge: Das verhinderte ein Aufschrei der Empörung in Ungarn, wo der
unschlagbare Galopper längst ein Nationalheld ist und 2008 sogar zum Sportler des Jahres gewählt
wurde. Fünf magyarische Wirtschaftskapitäne machten das Thema zur Chefsache. Für 5 Millionen
Euro bildeten sie ein Besitzersyndikat und kauften das Pferd.
Inzwischen ist OVERDOSE, der die 1.000 Meter mit fast 65 km/h abspulen kann, ein echter Hoppegartener und war demzufolge auch das Hauptthema bei der Jahresauftakt-Pressekonferenz der Rennbahn. Die fand nicht in irgendeinem Hotel statt, sondern dem Anlass gemäß in der Botschaft der Republik Ungarn, Unter den Linden. Fast 60 in- und ausländische Journalisten lauschten Sándor Ribárszki, dem Trainer des Superpferdes und seinen Mitbesitzern Zoltán Mikóczy und Gábor Preisinger. Botschafter Sándor Peisch hatte eigens auch dazu Ungarns Reporterlegende Tivadar Farkasházy einfliegen lassen. Alle betonten die gewaltige nationale Popularität des Pferdes, das es sogar schon auf die Titelseite der New York Times schaffte.
Am 2. April (Karfreitag) feiert Dosi seinen fünften Geburtstag. Am Ostersonntag wird er am
Hoppegartener Eröffnungsrenntag dem Publikum öffentlich vorgeführt. Dazu erscheint auch der
Botschafter zusammen mit Landesvater Matthias Platzeck, mit dem ihn eine persönliche
Freundschaft verbindet. Aus Ungarn wird eine kopfstarke Fangruppe erwartet. An diesem Tag ist
Overdose quasi nur in Zivil unterwegs, aber seine Besitzer erwägen einen Aufbaustart an einem der
folgenden Hoppegartener Renntage. Betreuer Ribárszki: Er hat eine sehr lange Pause hinter sich,
laborierte seit April 2009 an seinen empfindlichen Hufen. Aber das Training in Hoppegarten hat ein
Wunder bewirkt. Seit vier Wochen ist Dosi wieder im Volltraining.
Um herauszufinden, wann der richtige Zeitpunkt für den ersten Start gekommen ist; dafür hat der
erfahrene Pferdemann seine eigene Methode: Das erfahre ich von Overdose selbst, er hat immer
das letzte Wort. Natürlich spricht er nicht wirklich, aber ich kenne ihn wie meinen Bruder. Ob es ihm gut geht und er starten möchte, sehe ich an seinen Augen, dem Ohrenspiel und dem Glanz des
Haarkleides.
Millionenpferd OVERDOSE ist aber beileibe nicht die einzige große Attraktion am Osterrenntag.
Hoppegarten lockt auch mit der größten Ostereiersuche in ganz Berlin und Umgebung: 4.000
Osterhäschen aus der Halloren-Schokoladenfabrik werden ab 12 Uhr im Innenraum der idyllischen
Rennbahn versteckt sein. Danach geht`s für die kleinen Besucher zu einer Malaktion, wie es sie nicht nur in Hoppegarten noch nie gegeben hat: Diesmal ist es nicht das obligatorische Kinderschminken, sondern es geht andersrum: Zwei lebende Pferde (natürlich Schimmel) dürfen mit Fingermalfarbe von den Kindern verschönert werden. Die jungen Künstler kreieren ihr eigenes Osterpferd.
Neun Renntage sind für die Saison 2010 geplant. Höhepunkte sind das Diana-Trial am Pfingstsonntag, umrandet von einem echten Mode-Highlight: dem Ladies' Day mit Prämierungen für die elegantesten Hüte und Outfits. Beim Westminster Preis der Deutschen Einheit am Nationalfeiertag, 3. Oktober, wird die Nachfolgerin des Fabelpferdes Antara gesucht. Die in Hoppegarten trainierte Stute profilierte sich in diesem Rennen 2009 zur besten Stute Deutschlands, wurde dabei auch von den Fanscouts von Scheich Mohammed al Maktoum entdeckt.
Rennbahneigner Gerhard Schöningh sieht sich mit seinen hohen Investitionen in die
Publikumsbereiche und in die Aufwertung des sportlichen Programms auf dem richtigen Weg. 32
Prozent Steigerung bei den Besuchern und 30 Prozent bei den Wetteinsätzen sprechen für sich,
freut sich der passionierte Galoppsportliebhaber. Wir glauben, dass sich dieser Trend auch in der
heutigen Zeit noch erheblich steigern lässt
. Dazu soll gerade das preisgünstige Familienticket für 12 Euro beitragen.
